Shakespeare Company Berlin

Munterer Shakespeare-Spaß mit fein ziseliertem A-Capella-Gesang im Grünen ZITTY 19.6.2019

Nicht erst seit dem FPÖ-Skandal-Video ist Österreich ein gutes Stellvertreterland, wenn es darum gehen soll, was Macht mit Politikern macht. In diesem Komödien-Fall hat Herr Shakespeare diese Einordnung selbst erledigt: Er siedelt das Spiel um einen milden Herzog, der einen Stadthalter einsetzt, um rigide Ordnung durchzusetzen, ohne selbst als Tyrann dazustehen, in Wie an. Das heißt im Freilufttheater natürlich Schmäh, den Tobias Schulze als jovialer Herrscher und gemütlich schnoddrige Bordellwirtin auch köstlich augenzwinkernd serviert. Aktuelle politische Anspielungen bleiben aus, was nicht weiter schlimm ist. Bissige Kommentare zu Doppelmoral und Machtmissbrauch gibt es auch ohne Zusätze zu Hauf. Wobei das Wühlen in menschlichen Abgründen bei sommerlichen Temperaturen naturgemäß nur eine klitzekleine Beigabe ist. Texttreue spielt eine diesmal etwas kleinere Rolle als sonst bei der Shakespeare Company. Üppiges Schauspieler-Theater wird mit fein ziselierten A-Capella-Gesängen und ausladenden Slapstick-Einlagen kombiniert. Das fasert manchmal ein wenig aus und bremst das Tempo. Trotzdem amüsiert man sich zwischen mit Luken versehenen Bühnenstellwänden und einem durchgeknallten Kostüm-Sammelsurium doch recht gut. Einladungen zum gelegentlichen Nachdenken mit eingeschlossen.