Shakespeare Company Berlin

Einen guten Schauspieler erkenne man bekanntlich daran, dass er einen schlechten Schauspieler spielen kann. So gelang es der Shakespeare Company, auch das Stück im Stück deutlich abzugrenzen. LIVEKRITIK.de 10.6.2015

Die Handlung von Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" ist nicht gerade einfach. Vier Handlungsstränge erfordern die Aufmerksamkeit des Zuschauers. "Verwandelt der sich jetzt in einen Esel?", fragte eine Frau ihren Mann hinter mir, die sich wohl wunderte, ob sie ihr Augen trübten. Ja, in der Tat. Ein Mann bekommt einen Eselskopf und in dieses Wesen verliebt sich nun eine Feenkönigin, da sie unter einem Liebeszauber steht. Und das ist nur eine Nebenhandlung. In der Traumhaften Kulisse des Naturpark Schöneberger Südgeländes konnte man eine dankbar reduzierte Aufführung sehen, deren minimaler Aufwand nie als Mangel auftrat. Auf einer unbeweglichen Bühne rotierten die Schauspieler durch mehrere Rollen. Die Differenzierung zwischen den handelnden Personen gelang dabei vortrefflich. Einen guten Schauspieler erkenne man bekanntlich daran, dass er einen schlechten Schauspieler spielen kann. So gelang es der Shakespeare Company, auch das Stück im Stück deutlich abzugrenzen. Die zur Schau gestellte Aufführung von Pyramus und Thisbe war mein humoristischer Höhepunkt des Stückes. Zum Lacher des Abends wurde die Beleidigung, die der verzaubte Lysander ausspricht: "Du ausgebumste Botox-Biene!". Sollte man unbedingt für den nächsten Streik bereit halten. Als sei es nicht genug mehrere Rollen zu verkörpern, agierte das gesamte Ensemble auch als Band, deren Arrangements alles andere als "beiläufig" zu betrachten waren und das Schauspiel musikalisch bereicherten. Trotz der doch etwas kalten Temperatur am gestrigen Abend, herrschte eine sehr sympathische Stimmung im Publikum und auch zwischen dem Publikum und den Schauspielern. Fast heimisch fühlte es sich an, als jeder Zuschauer am Ende seine Decke zusammenwickelte und sie, zusammen mit dem Sitzkissen, am Ausgang abgab. Text: Holger Kurtz