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Flexibles Rollen-Spiel

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Flexibles Rollen-Spiel - Drucken - Landsberger Tagblatt

 

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Thorsten Jordan

Sie schlüpften in bis zu fünf Rollen – hier als Matrosen: Christian L. Carrasco, Stefan Plepp und Christina Fraas (von links). Foto: Thorsten Jordan

Landsberg „Othello ist das vollständigste Lehrbuch über die traurige Raserei der Eifersucht; da können wir alles lernen, was sie angeht, sie erwecken und vermeiden.“ So kommentierte Gotthold Ephraim Lessing 1767 den Shakespeare-Klassiker „Othello“, ein Drama, das sich auf die Leiden des eifersüchtigen Othello und die Bosheit des intriganten Jago konzentriert. Präsentiert wurde es im Landsberger Stadttheater von der Shakespeare Company Berlin, mit nur drei Darstellern in je bis zu fünf Rollen.

Präsent waren die drei Schauspieler der Shakespeare Company schon im Theaterfoyer, wo sie mit Witz und bereits halb im Spiel ihre Programme feilboten. Ganz „shakespearesk“, im direkten Dialog mit dem Publikum, machten sie damit noch im Saal weiter und leiteten mit einem spaßigen Zank, wer den Othello spielen solle, den Beginn des Stücks ein - das erinnerte an die Truppen, wie man sie sich zur Zeit des großen englischen Dramatikers gerne vorstellt.

Schöne Schlichtheit

Ein wenig Atmosphäre des Londoner Globe-Theaters übertrug sich auch in den Landsberger Theatersaal. Schön waren die Schlichtheit und damit Flexibilität in Bühnenbild, Kostümen und Requisiten sowie improvisatorische Elemente: Die „Musik“ bestand aus dem Trommeln einer kurzen Vierton-Melodie, Kostüme wurden übereinander getragen, sodass die Darsteller schnell in neue Rollen schlüpfen konnten, Räume wurden durch Beleuchtung hinter Leinwand angedeutet, einfache Klangeffekte sorgten für Sturm, Gewitter und Kriegsgedröhn.

Es gelang den drei Darstellern hervorragend, die drei Kerncharaktere darzustellen: Cristian L. Carrasco ist ein kraftvoller, leidenschaftlicher Othello, glaubwürdig sowohl in der Liebe zu Desdemona als auch in den folgenden Selbstzweifeln bis hin zur Raserei. Erschreckend wirkt er, als er Jago würgt, und in der gewalttätigen Schlussszene, in der er seine Frau ermordet, ja selbst noch im Selbstmord - das sind schwierige Klippen des Schauspiels, die, unzulänglich dargestellt, schnell ins Lächerliche kippen können. Carrasco meisterte sie bravourös.

Christina Fraas war die bezaubernde, reine Desdemona, sie transportierte überzeugend die Verzweiflung des unschuldigen Opfers. Auch Stefan Plepp als Jago, der Bösewicht, nahm man den gewissenlosen Schurken ab, der allein auf die eigene Machtvermehrung aus ist und dabei gerne über Leichen geht. Besonders lustig, ein erholsamer Kontrast zur Tragik der Handlung, sind die beiden Männer in Frauenrollen, wo sie mit nachlässig drapierten Brüsten und schlecht verhülltem Kurzhaarschnitt immer ein wenig aussehen wie aus Monty Pythons Flying Circus. Weniger überzeugend war die Darstellung von männlichen Rollen durch Christina Fraas - so gut sie als Desdemona ist, die Männerrollen wollen nicht so recht gelingen.

Wies die erste Hälfte des Stücks eine Menge statische Monologe auf, steigerten sich Tempo und Bewegung nach der Pause merklich, und das Publikum geriet in den Sog der dramatischen Handlung. Atemlos verfolgte es, wie sich Othello immer weiter in die Raserei verrannte, wie Jago, um den General herumtänzelnd, das Feuer der Eifersucht immer weiter schürte, wie Desdemona immer verzweifelter und vergeblich gegen den grundlosen Verdacht ankämpfte. Erschüttert hielt das Publikum inne nach dem tragischen Ende, um dann in Applaus und Jubel auszubrechen. Ein klassischer Stoff, klassisch präsentiert, eine schöne Bühnenleistung.

07.06.2010 19:00 Uhr
Letzte Änderung: 08.06.10 - 08.55 Uhr