10. Juli 2007 -  Limburgerhof

Liebesgeschichte vor lauschiger Schlosskulisse

Berliner Shakespeare Company mit „Romeo und Julia“ in Limburgerhof  Volkstümliche Fassung in Christian Leonards neuer Übersetzung

Uwe Engel

So sieht lebendiges und modernes Volkstheater aus: Mit einer höchst farbigen Aufführung von „Romeo und Julia“ gastierte die Shakespeare Company Berlin im schönen Ambiente hinter dem Schlösschen im Park von Limburgerhof. Das junge Ensemble spielte eine neue Textfassung von Christian Leonard, dem Regisseur und Leiter der Truppe.

Die Shakespeare Company hat ihr Domizil in einem Theaterzelt am Berliner Ostbahnhof. Mit seinen Produktio- nen tourt das Ensemble aber auch durch ganz Deutschland. Nicht nur als fahrende Truppe, sondern auch sonst knüpft die Berliner Kompanie an die Theatertraditionen Shakespeares an: Eine kleine Schar von Schauspielern agiert auf einer einfach gehaltenen Bühne, das lebhafte Spiel mit Musik und Gesang findet ganz nahe am Zu- schauer statt. So ensteht vitales Thea- ter für ein breites Publikum, leichtfü- ßig und anspruchsvoll zugleich.

So war das nun auch bei „Romeo und Julia!“, wobei das Ausrufezeichen für die Dynamik der Inszenierung und der Textfassung steht. Christian Leonard hat eine zeitgemäße Überset- zung geschaffen, die sich auch Wör- tern aus der Alltagssprache bedient, dort aber auf die gebundene Sprache zurückgreift, wo auch Shaspeare ein festes Versmaß verwendet.

„Romeo und Julia“, die Geschichte von den beiden Teenagern, die sich in-

einander verlieben und deren Liebe wegen der bitteren Feindschaft ihrer Familien mit dem Tod von beiden endet, gilt als bekannteste Liebesgeschichte der Weltliteratur und als eine der größten Tragödien. Wirklich nur eine Tagödie? Bei der Shakespeare Company Berlin nicht. Hier wird auch der komische Aspekt des Dramas betont, vor allem im ersten Teil, hier wird aus der Tragödie eine Tragikomödie, auch dies wieder im Shakesspeare‘schen Sinne. Da begreift man, warum die Schauspieler früher „Komödianten“ genannt wurden.

Gespielt wird auf eine kleinen Bühne mit wenigen Requisiten und Aufbauten: Ein Vorhang mit den Konturen einer Renaissance-Stadt, dazu noch drei Holzgestelle, die für alle mögliche Zwecke dienen. Der Renaissancezeit sind auch die Kostüme von Gabriele Kortmann zuzuordnen – Verächter modernen Regietheaters brauchten also nicht zu erschrecken. Das Schlösschen mit seiner neoklassizistischen Fassade bot für diese Inszenierung eine ideale Kulisse.

Äußerlich minimal auch der Aufwand bei der Besetzung. Das Ensemble umfasst gerade einmal sechs Schauspieler, die allesamt mehrere Rollen übernehmen. Und sie machen ihre Sache glänzend. Eindrucksvoll, mit welcher Begeisterung und mit welcher psychischen und psychischen Präsenz alle Beteiligten bei der Sache sind. Es wird ihnen allerhand an Einsatz aberverlangt. Alle Darsteller betätigen sich auch als Musiker, bei Ein- und Auszug werden mehrstimmige Renaissance-Sätze gesungen. Bei anderer Gelegenheit sind artistische Kletterleistungen gefordert und jede Menge Kondition beim Dauerlauf rund um das ganze Gebäude. Auch ständige schnelle Kostümwechsel sind erforderlich, die eines Verwandlungskünstlers im Zirkus würdig wären.

Verständlich, dass da einige Rollen eingespart werden, etwa Lady Montague oder der Graf Capulet, dessen Part einfach mit dem seiner Frau zusammengelegt wurde. Die Schauspieler überzeugten durch ihr eindringliches Spiel: Alexandra Surer als Lady Capulet, Elisabeth Milarch als ätherische Julia, Lukas Hötzel als schwärmerischer Romeo, Erik Studte als Mercutio und Pater Lorenzo, Oli Rickenbacher als Benvolio und Graf Paris, und Stefan Plepp als raubeiniger Tybalt. Männer in Frauenrollen waren dabei ein weiterer Rückgriff auf die Shakespeare-Bühne. Dazu waren alle noch als Mönche und Diener auf der Bühne. Am Ende begeisterter Applaus des Publikums.

 
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