Start Presse Rezensionen Die Zähmung der Widerspenstigen Die Zähmung der Widerspenstigen6

20.07.2009 - Passau

Unkonventionell und tiefsinnig

 

Shakespeare Company Berlin beglückt mit „Der Widerspenstigen Zähmung“ im Passauer Domhof - Sophie von Kessel liest „Momo“ in Schloss Wiesenfelden

Mit vielen Schreien abgespeist hat nicht nur Petrucchio seine Katharina, sondern auch die Shakespeare Company Berlin ihr Publikum am Freitagabend im Passauer Domhof. Laut und bisweilen (zu) derb ging es zu bei dieser „Widerspenstigen Zähmung“, der wohl schönsten Shakespeare-Komödie.

Ja, da gab es noch mehr Ungereimtheiten in der manchmal plump modernisierten Übersetzung (wohl eine Hausfassung des Ensembles, ein Autor wurde jedenfalls im Programm nicht ausgewiesen) und auch in der Regie (warum trinkt man Cola im Zug in altertümlichen Kleidern und schwärmt dann von reitenden Gäulen?) und in sich wiederholenden Gags, über die man beim fünften Mal nicht mehr lachen kann. Regisseur Tom Ryser hat oft zu dick aufgetragen, was das Stück gar nicht nötig hat.

Und doch: Das von Intendant Pankraz von Freyberg beschworene Entzücken Goethes über die Shakespeare-Stücke stellte sich auch hier rasch und heftig ein. Dieses Theaterwunder bewirkten die fantastischen sechs Darsteller, von denen fast jeder in mehrere Rollen schlüpfte und die Verwandlung in Kostüm, Sprache und Spielgestus perfekt vollzog. Jede Figur war mit einer Fülle von Charakteristika ausgestattet, besonders auch die sehr individuell gezeichneten Dienerrollen.

In diesem Doppelspiel hinreißend war Vera Kreyer als nervöse, vergessliche Signora Baptista und als köstlicher Diener Grumio. Elisabeth Milarch als unter den Quälereien ihrer bösen Schwester leidenden Bianca und als herrischer Diener Tranjo oder als französisierender Hutmacher. Die lächerliche Rolle des Werbers entlarvten Erik Studte als Hortensio und Oliver Rickenbach als Lucentio. Alexandra Surer und Stefan Plepp waren kein Paar der leisen Töne. An Spielfreudigkeit, Tempo und Einsatz härtester Mittel im Geschlechterkrieg standen die beiden sich in nichts nach.

Das Stück ist zudem mit einer sehr gelungenen Pantomime-Ebene unterlegt, die Requisiten überflüssig macht. Lautmalerei lässt eine Geräuschkulisse entstehen, die das Stück rhythmisiert, dazu gibt es Songs und Bänkellieder. Die Vollblutschauspieler haben mit diesem unkonventionellen Shakespeare einen Sieg davon getragen. 650 Zuschauer gingen beglückt heim.

Passauer Neue Presse - Edith Rabenstein

 
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