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21.08.2009 - BAD KISSINGEN

Rebell zähmt seine Rebellin

Shakespeare Company Berlin bei der Sommerlust in der Oberen Saline

 

So ein Wetter wie am Donnerstagabend kann man sich fürs Freilichttheater nur wünschen. So strömten die Theaterliebhaber denn auch zur Sommerlust in die Obere Saline, um „Die Zähmung der Widerspenstigen“ mit der Shakespeare Company Berlin zu erleben. 56 weitere Plätze hatten die Veranstalter zusätzlich zu den 328 vorhandenen eingerichtet, sagte Erna Buscham vom städtischen Kulturbüro auf Nachfrage.

Gekommen waren nicht nur Kissinger, auch Autos mit Kennzeichen Trier, Braunschweig, Miltenberg, Würzburg, Schweinfurt, Bad Neustadt und Fulda waren auf dem Parkplatz am Bismarck-Museum zu finden. Schließlich lockte eine bei der Sommerlust beliebte Theatertruppe: die Shakespeare Company Berlin. Sie ist bekannt für unorthodoxe Aufführungen von Stücken, die Shakespeare vor rund 400 Jahren geschrieben hat.

Die neue Übersetzung von Christian Leonard, der vor zehn Jahren die Shakespeare Company Berlin gründete, hat es wieder in sich. Von der Sprache Shakespeares ist letztlich nur das Grundgerüst geblieben. Doch das macht diese Aufführung so reizvoll: Es ist eine Transformation in die moderne Sprache, mit viel Witz, Komik und überraschenden Pointen. Manchmal kitzelt sie auch die Gürtellinie, etwa wenn Katharina tobt, „ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte“.

Überhaupt geht es beim verbalen Schlagabtausch von Petruchio und der (un)bezähmbaren Katharina ganz schön zur Sache. Auch ihre Mutter hat ihr Kreuz, denn Kati ist wild, frech und eigenwillig. Katharina ist schlichtweg eine Rebellin, die unter die Haube zu bringen äußerst schwierig ist. Doch in Petruchio findet sie einen ebenbürtigen „Gegner“. Auch er verweigert die herkömmlichen Zwangsjacken wie Familienfeste und Galakleidung. So geht er denn auch halb nackt zur Trauung in die Kirche, zum großen Entsetzen der anderen.

Am Ende sind es Katharina und ihr Gatte Petruchio, die moralisch überlegen sind: Ihre Beziehung zueinander war von Anfang an ehrlich, sie begegneten sich ohne Maske – und verliebten sich.

Bemerkenswert ist das rasante Spiel der sechs Schauspieler: Alexandra Surer, Elisabeth Milarch, Vera Kreyer, Erik Studte, Oliver Rickenbacher und Stefan Plepp, die fast alle in mehrere Rolle agierten. Sie beherrschten die Körpersprache und ihre Stimmen, mit denen sie Illusionen auf die Bühne zauberten: das Rattern des Zuges, in dem sie saßen, Knurren, Schnarchen und Schreien. Nicht zu vergessen die Gesänge, vom anfänglichen Kanon „Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König“ über einen Bach-Choral bis hin zum vierstimmigen Kanon von Mozart: „bona nox, du bist ein rechter Ochs“. Die Zuschauer fühlten sich mitgerissen von den schnellen Verwandlungskünsten der Protagonisten und deren Spielfreude. Sie dankten es mit großem Applaus.

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